🚨 Warum Mainframe-Modernisierung fast immer länger dauert als geplant
„Wir modernisieren unseren Mainframe.“
Diesen Satz hört man seit über 20 Jahren in der IT-Branche.Und trotzdem laufen heute noch enorme Teile der Finanz-IT auf COBOL-Systemen auf dem Mainframe.
Warum?
Weil viele Organisationen unterschätzen, was wirklich hinter diesen Systemen steckt.
Ein typisches Mainframe-System besteht oft aus:
- tausenden Programmen
- jahrzehntealter Geschäftslogik
- Batch-Jobs und komplexen Abhängigkeiten
- Integrationen, die nie dokumentiert wurden
Und vor allem:
👉 Der Betrieb darf während der Transformation niemals ausfallen.
Deshalb funktionieren radikale „Big Bang“-Migrationen fast nie.
Die Realität sieht anders aus.
Erfolgreiche Organisationen modernisieren ihre Legacy-Systeme meist in drei Phasen:
- Legacy Core
Stabile Mainframe-Systeme mit COBOL und jahrzehntelanger Geschäftslogik.
2. Hybrid Phase
Neue Cloud-Services entstehen, während Legacy-Systeme weiterlaufen.
3. Modern Architecture
Microservices, Cloud-Plattformen und Echtzeitdaten übernehmen zunehmend Funktionen.
Die größte technische Herausforderung ist dabei nicht der Mainframe selbst.
👉 Es ist die Integration zwischen alter und neuer Welt.
Genau darüber habe ich einen neuen Artikel geschrieben:
„Mainframe Modernization: Why Legacy Transformation takes years.“
(Link in den Kommentaren)
Mich würde interessieren:
Wie geht ihr mit Legacy-Modernisierung um?
Komplette Ablösung oder schrittweise Transformation?
#Mainframe
#COBOL
#LegacyModernization
#CloudTransformation
#SoftwareArchitecture
Dann noch auf unseren Blogpost wie folgt verweisen:
Mainframe Modernization: Warum Legacy-Transformation Jahre dauert
Viele große Organisationen – insbesondere Banken, Versicherungen, Logistikunternehmen und Behörden – betreiben bis heute geschäftskritische Systeme auf klassischen Mainframe-Plattformen wie IBM z/OS mit Anwendungen in COBOL.
Diese Systeme sind über Jahrzehnte gewachsen, äußerst stabil und tief in operative Geschäftsprozesse integriert. Gleichzeitig stehen Unternehmen zunehmend unter Druck, ihre IT-Landschaften zu modernisieren. Themen wie Cloud-Integration, Echtzeitdaten, Microservices, moderne Datenplattformen und schnellere Entwicklungszyklen gehören heute zu den zentralen Anforderungen der digitalen Transformation.
Die Migration weg vom Mainframe – häufig als Legacy Transformation oder Mainframe Modernization bezeichnet – gehört daher zu den größten und komplexesten IT-Programmen, die Organisationen durchführen können.
Viele Unternehmen unterschätzen dabei eine grundlegende Realität:
Mainframe-Modernisierung ist selten ein Projekt – sondern meist eine mehrjährige Transformationsreise.
Warum Mainframe-Migrationen so schwierig sind
Ein typisches Mainframe-System besteht nicht nur aus einigen COBOL-Programmen. In der Praxis handelt es sich um ein komplexes Ökosystem aus:
- tausenden Programmen
- Batch-Jobs und Job Control Language (JCL)
- systemspezifischen Datenstrukturen
- jahrzehntealten Integrationen
- Geschäftslogik, die oft nie vollständig dokumentiert wurde
Viele dieser Systeme laufen seit 30, 40 oder sogar 50 Jahren produktiv. Während dieser Zeit wurden sie kontinuierlich erweitert und an neue Anforderungen angepasst.
Das Ergebnis ist häufig eine hochgradig optimierte, aber schwer verständliche Architektur.
Viele Geschäftsprozesse existieren nicht als Dokumentation, sondern sind direkt im Code implementiert.
Eine vollständige Ablösung in einem einzigen Schritt – ein sogenannter Big-Bang-Replacement – ist daher in der Praxis kaum realistisch.
Migration als mehrjährige Transformationsreise
Legacy-Transformationen dauern typischerweise mehrere Jahre. Der Grund ist einfach:
Das bestehende System muss während der gesamten Migration weiterlaufen und den operativen Betrieb sichern.
Organisationen können ihre Kernsysteme nicht einfach abschalten, um sie neu zu entwickeln. Stattdessen entstehen parallele Welten:
- Das Legacy-System bleibt produktiv
- Neue Systeme werden schrittweise aufgebaut
- Daten und Funktionen werden nach und nach migriert
Die Realität solcher Programme ist daher meist eine längere Phase der Koexistenz zwischen alter und neuer Architektur.
Diese Phase kann mehrere Jahre dauern und stellt sowohl technische als auch organisatorische Herausforderungen dar.
Der Faktor Mensch: Know-how wird zum Engpass
Neben der technischen Komplexität spielt ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle: Know-how.
Viele Experten, die Mainframe-Systeme über Jahrzehnte aufgebaut haben, nähern sich dem Ruhestand. Gleichzeitig gibt es nur wenige Entwickler mit tiefem COBOL- und z/OS-Know-how.
Unternehmen stehen damit vor einer doppelten Herausforderung:
- Betrieb der bestehenden Systeme sichern
- gleichzeitig neue Architekturen aufbauen
Diese Situation verstärkt den Bedarf nach Lösungen, die eine schrittweise Transformation ermöglichen, ohne bestehende Systeme sofort ersetzen zu müssen.
Inkrementelle Migration statt Big Bang
Die meisten erfolgreichen Transformationsprogramme setzen daher auf inkrementelle Migration.
Funktionen werden Schritt für Schritt aus dem Mainframe herausgelöst und in moderne Plattformen überführt.
Ein bekanntes Konzept wurde von Software-Architekt Martin Fowler beschrieben: das sogenannte Strangler Pattern.
Dabei wird ein Legacy-System nicht direkt ersetzt. Stattdessen entsteht eine neue Architektur, die nach und nach Funktionen übernimmt, während das bestehende System weiterhin aktiv bleibt.
Die Metapher dahinter ist eine Schlingpflanze, die langsam um einen Baum wächst und ihn schließlich ersetzt.
Typische Schritte eines solchen Ansatzes sind:
- Neue Services werden außerhalb des Mainframes entwickelt
- Zugriffe werden über eine Integrationsschicht umgeleitet
- Alte Funktionalitäten werden schrittweise ersetzt
- Der Legacy-Anteil schrumpft mit der Zeit
Dieser Ansatz reduziert Risiken und erlaubt eine kontrollierte Transformation.
Automatisierung: Model-Driven Engineering und KI
Angesichts der Größe vieler Mainframe-Landschaften wäre eine vollständig manuelle Migration kaum wirtschaftlich.
Deshalb spielen Automatisierungstechnologien eine zunehmend wichtige Rolle.
Dazu gehören unter anderem:
- Model-Driven Engineering (MDE)
- Language-Based Engineering (LBE)
- automatische Codeanalyse und Transformation
- KI-basierte Werkzeuge zum Verständnis von Legacy-Code
Diese Technologien ermöglichen beispielsweise:
- automatisches Extrahieren von Datenmodellen
- Analyse von Programmabhängigkeiten
- Generierung moderner Services aus Legacy-Code
- teilweise automatisierte Migration von COBOL in moderne Programmiersprachen
Trotz dieser Fortschritte bleibt Migration jedoch immer ein stark kontextabhängiger Prozess, der tiefes Verständnis der bestehenden Systeme erfordert.
Die unbequeme Realität: Nicht alles lässt sich migrieren
Ein wichtiger Aspekt, der in vielen Transformationsstrategien zunächst unterschätzt wird:
Nicht alle Funktionen eines Legacy-Systems lassen sich sinnvoll migrieren.
In fast jedem großen Mainframe-System existieren:
- Spezialfälle für einzelne Kunden oder Produkte
- historisch gewachsene Sonderlogik
- selten genutzte Funktionen
- Code, dessen ursprünglicher Zweck kaum noch nachvollziehbar ist
Die Migration solcher Komponenten ist oft teurer und riskanter als ihr tatsächlicher Nutzen.
Deshalb treffen viele Organisationen pragmatische Entscheidungen:
- Manche Funktionen bleiben dauerhaft im Legacy-System
- Manche werden später neu entwickelt
- Manche werden vollständig abgeschafft
Das Ergebnis ist häufig eine dauerhafte hybride Architektur.
Die Rolle von Integrationsschichten
Da Legacy- und neue Systeme über Jahre parallel existieren, entsteht eine zentrale technische Herausforderung:
Die beiden Welten müssen zuverlässig miteinander kommunizieren.
Hier kommen flexible Integrationsschichten ins Spiel. Sie übernehmen Aufgaben wie:
- Datenintegration
- API-Bereitstellung
- Workflow-Orchestrierung
- Synchronisation zwischen Systemen
- Zugriff auf Legacy-Funktionalität aus modernen Anwendungen
Diese Schichten fungieren als technischer Vermittler zwischen alter und neuer Welt.
In der Praxis braucht es dafür häufig flexible und leicht konfigurierbare Lösungen – gewissermaßen ein technisches Bindeglied, das Integrationslücken schließt und den Übergang zwischen beiden Architekturen ermöglicht.
Realtime Data Hubs als Integrationsplattform
Ein möglicher Ansatz für diese Integrationsschicht sind sogenannte Realtime Data Hubs.
Sie fungieren als zentrale Datendrehscheibe innerhalb moderner Architekturen und verbinden unterschiedliche Systeme sowie Datenquellen.
Eine solche Plattform ist der Realtime Datahub (RDH).
Der RDH ermöglicht unter anderem:
- Integration moderner Datenbanken wie MongoDB und PostgreSQL
- Umsetzung strukturierter Entity-Modelle
- automatisierte Datenflüsse
- Workflow-Orchestrierung
- Integration heterogener Systemlandschaften
Damit wird ein Realtime Data Hub zu einem zentralen Element für die Integration moderner Anwendungen mit bestehenden Legacy-Systemen.
RDH-CBL: Die Brücke zum Mainframe
Für die Integration bestehender Mainframe-Funktionalität wurde das Modul RetroCode RDH-CBL entwickelt.
RDH-CBL ist ein Webserver, der direkt auf dem Mainframe läuft und eine einfache, aber leistungsfähige Integrationsmöglichkeit bereitstellt.
Über HTTPS können beispielsweise:
- COBOL-Programme aufgerufen
- Systemkommandos ausgeführt
- Legacy-Funktionen als APIs verfügbar gemacht
Die Konfiguration erfolgt bewusst schlank und deklarativ. Dadurch kann bestehender Code relativ schnell in moderne Integrationsarchitekturen eingebunden werden, ohne ihn vollständig umzubauen.
In Transformationsprojekten erfüllt RDH-CBL damit eine wichtige Rolle:
- Neue Systeme können weiterhin auf bestehende COBOL-Logik zugreifen
- Migrationen lassen sich schrittweise durchführen
- Legacy-Funktionen bleiben verfügbar, solange sie benötigt werden
Transformation braucht Flexibilität
Große Legacy-Transformationen folgen selten einem linearen Plan.
Stattdessen sind sie häufig geprägt von:
- unerwarteten Abhängigkeiten
- organisatorischen Veränderungen
- neuen technischen Anforderungen
- sich wandelnden Geschäftsprozessen
Erfolgreiche Programme setzen daher auf flexible Architekturprinzipien, die Anpassungen während der gesamten Transformationsphase ermöglichen.
Integrationslösungen, die alte und neue Welt zuverlässig miteinander verbinden, spielen dabei eine zentrale Rolle.
Denn letztlich gilt für nahezu jedes große Mainframe-Modernisierungsprojekt:
Der Weg in die Zukunft führt selten über einen radikalen Schnitt – sondern über eine längere Phase kontrollierter Koexistenz zwischen Legacy-Systemen und modernen Plattformen.
Und genau in dieser Phase werden Technologien benötigt, die die Transformation ermöglichen, indem sie Integrationslücken schließen, Übergänge schaffen und beide Welten miteinander verbinden.
About RetroCode
RetroCode unterstützt Banken, Versicherungen und große Unternehmen bei der Modernisierung geschäftskritischer Legacy-Systeme.
Der Fokus liegt darauf, die stabile Welt von COBOL- und Mainframe-Systemen mit modernen Cloud- und Datenarchitekturen zu verbinden – und so eine kontrollierte, schrittweise Transformation zu ermöglichen.Hier schreiben …